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Wein & Gesundheit

Weinpfarrer Johannes Denk
Ein Beitrag zum Thema Wein und Gesundheit

Wenn es um Wein und Gesundheit geht, muss ich gleich in doppelter Hinsicht auf meinen Freund, den Weinprofessor Bernulf Bruckner, zurückgreifen. Den ersten Grund werde ich am Schluss erläutern. Den zweiten, der Wahrheit wegen, gleich zu Beginn. Bernulf hat mühevoll die neuesten Erkenntnisse zu diesem Thema zusammengetragen (Buch von Bernulf Bruckner „Weinwelten“, erschienen im Agrarverlag und mir erlaubt, diese zu verwenden.
Ich bin sehr dankbar dafür, weil ich mich zwar gerne im Blindverkosten mit ihm matche, was aber die Theorie rund um den Wein angeht, hat er mir von berufswegen doch Einiges voraus. Und mein Vertrauen gilt in allen Punkten gleich.

Nun sozusagen in medias res, und das in Kürze, da dieses Thema wahrscheinlich für eine Doktorarbeit mehr als genug Stoff bieten würde. Zunächst zu einem Paradoxum. Nämlich dem Französischen, das ich auch immer gerne bei meinen Weinverkostungen anspreche. Eine im Jahr 1989 durchgeführte Untersuchung verglich die Lebensgewohnheiten der Amerikaner mit denen der Südfranzosen. Dabei stellte sich heraus, dass die Franzosen trotz der absolut ungesünderen Lebensweise (fetteres Essen, höhere Raucherquote, weniger Bewegung und ganz deutlich höherer Weinkonsum) um 40% weniger Herzkranzgefäß-Erkrankungen und um rund 30% weniger Krebsleiden haben. Weitere Untersuchungen bewiesen, dass diese Ergebnisse dem permanenten Weingenuss zuzuschreiben sind.

Wirtschaftlich wird der Wein heute vielleicht nicht gerade als Heilmittel, so doch als Hilfsmittel eingesetzt (man denke nur an das rote Weinlaub). Eine nachgewiesene, verblüffende Tatsache ist es auch, dass Menschen, die niemals Wein trinken, eine geringere Lebenserwartung haben, als Menschen, die regelmäßig zumindest drei bis fünf Gläser Wein pro Woche konsumieren. Vielleicht nicht so gravierend, aber doch interessant ist ( und da zitiere ich den Bernulf wörtlich): „Der Amerikaner S. Cohen wies in einer Studie nach, dass permanenter, maßvoller Weinkonsum das Risiko für Erkältungskrankheiten bis zu 65 % mindert, und der britische Wissenschaftler M. Weisse stellte fest, dass der Weißwein ein ideales Mittel gegen Reisedurchfall ist. In den USA wurde nachgewiesen, dass sich das Risiko für verschiedene Krebserkrankungen (u. a. Mastdarm, Prostata) bei mäßigem Weingenuss signifikant verringert. Und eine Studie der WHO besagt, dass, wer regelmäßig Wein trinkt, länger lebt“.

Hier eine Zwischenbemerkung von mir: Vielleicht war es auch in dieser Hinsicht kein Zufall, dass Jesus sein erstes Wunder mit der Verwandlung von Wasser in Wein wirkte. Mag es sein, dass er nicht nur die Fülle des Lebens, sondern auch die Kraft des Weines ausdrücken wollte?

Aber nun zu den Forschungen, die auch besagen, dass auch alle mit mäßig regelmäßigem Weingenuss eine Verbesserung erreichen, die zu Gefäßverengungen und Thrombose neigen. Wer Durchblutungsstörungen hat, sollte zu leichtem Rotwein greifen. Seelische Spannungen und Ängste können gelöst werden (vielleicht vor allem mit einem Partner, der ein gutes Glas mittrinkt), der Lebensmut kann gestärkt, die Kreativität gefördert werden. Wie sagte schon Goethe: „andere schlafen ihren Rausch aus, ich bringe ihn zu Papier“. Er muss den richtigen Wein gewählt haben – denn wie immer im Leben kommt es auf die Qualität an.
Hier noch eine kleine, von Bernulf ausgeliehene Aufstellung der Positiva von mäßigem Weingenuss:

– Verstärkte Speichel- und Magensaftabsonderung
– Anregung der Gallenblasen- und Bauchspeicheldrüsen-Sekretion
– Anregung der Atmung (Asthma, Bronchitis)
– Pulsbeschleunigung und Verbesserung der Durchblutung der Herzkranzgefäße
– Vorbeugend für Angina Pectoris
– Stärkere Durchblutung der Nieren und vermehrte Harnausscheidung
– Anregung der Schilddrüsen- und Nebennieren-Tätigkeit
– Erhöhung der Sensitivität des Insulins (Diabetiker Achtung: Arzt befragen und nur
– Weine unter 4 Gramm Restzucker trinken!)
– Erweiterung der Blutgefäße in der Haut (Rötung der Wan gen) – bei Anämie: Rotwein
– Teilweise entgiftende, bakterienhemmende oder bakterientötende Wirkung
– Anregung des Nervensystems
– Stärkung des Immunsystems
– Schmerzstillende Wirkung
– Antiseptikum (Rotwein bei verschiedenen Hautausschlägen, Wein auf nach Verbrennungen mit sterilen Mullkompressen)

Manchmal wird mir ob dieser medizinischen Ergebnisse selbst ganz schwindelig, vor allem, wenn dann noch positive Erfahrungen bei Osteoporose oder Alzheimer dazukommen. Da ich doch regelmäßig und zumeist mäßig Wein genieße, hoffe ich, dass Alzheimer nicht allzu sehr beim Vergessen einiger Wein-Positiva zugeschlagen hat.
Deshalb darf ich auch nicht vergessen, den DDDr. Prokopp zu erwähnen. Ich hatte die Ehre, die Laudatio zu seinem 80er zu halten. Die Laudatio für einen Menschen, der nicht nur zugibt, sondern empfiehlt, pro Tag 1 Bouteille guten Weines zu trinken. Er war für mich einfach das lebende Beispiel von allem Angeführten: körperlich und geistig so fit, dass er den vierten Doktortitel anvisierte.

Damit war er auch ein Beweis für meinen Leitspruch, wenn ich nach dem Zusammenhang zwischen Wein und Pfarrer gefragt werde: „Genießen ist das Ernstnehmen der Schöpfung”. Gott hat uns den Wein geschenkt – der Begriff „Wein“ kommt fast 3000 mal in der Bibel vor, er war das erste Wunder. Vielleicht ergründet unsere Forschung dieses Wunder noch viel mehr als wir es heute schon wissen …